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Patienten aus dem Niemandsland
Nicht in allen europäischen Staaten ist die medizinische Versorgung von undokumentierten Migranten geregelt. Oft helfen NGOs aus.
A. kam eines Abends später in sein Flüchtlingsheim zurück als geplant – und später als erlaubt. Die Betreiber kannten kein Pardon: Er musste seine Sachen packen und gehen. Der Asylwerber wusste nicht wohin, an wen sich wenden, kannte niemanden in Österreich. Er verbrachte die nächsten Wochen auf der Straße. Erst als er einige Zeit darauf Landsleute aus seiner fernen Heimat kennenlernte, fand er den Weg zurück.
Migranten fallen manchmal, wie im Fall von A., aus dem „System“. Manche kommen inoffiziell ins Land – was mitunter im Sinne von Unternehmern ist, da sie äußerst billige Arbeitskräfte ohne Schutz und Lobby darstellen.
NowHereLand. Medizinische Versorgung ist Teil der Menschenrechte. Unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus sollte sie für alle gelten. Das Forschungsprojekt „Healthcare in NowHereland“ („now here“, jetzt hier bzw. „nowhere“, im Nirgendwo) nahm die medizinische Versorgung von sogenannten undokumentierten Migranten (UDM) in europäischen Staaten unter die Lupe. Untersucht wurden dabei Länder – darunter Österreich –, die die Menschenrechte offiziell anerkennen.
Oft nur im Notfall. Ein Fazit der Forscher: Nationale Regelungen beschränken dieses Grundrecht. Oft, so ein Projektbericht, werden UDM gar nicht oder sehr limitiert versorgt, etwa nur im Notfall.
In Spanien, den Niederlanden oder Frankreich haben UDM die gleichen Möglichkeiten wie offizielle Bürger: Ob sie etwa im Krankheitsfall von einem Arzt behandelt werden, hängt nicht von ihrem Status ab.
In Belgien, Großbritannien oder auch Italien kann diese Gruppe das Gesundheitssystem teilweise in speziellen Fällen nutzen, etwa bei Schwangerschaften. In Deutschland, Österreich, Polen und einigen anderen Staaten nur im Notfall.
Dunkelziffer. Wie viele UDM hierzulande leben, ist schwer zu sagen: „Healthcare in NowHereland“ liefert zwei Schätzungen, zwischen 40.000 und 100.000 bzw. zwischen 18.000 und 54.000 UDM. Was man definitiv weiß: Im EU-weiten Ländervergleich liegt Österreich im Mittelfeld bei der Anzahl von Migranten ohne gültige Papiere.
Angemerkt wird zudem, dass die Arbeit von NGOs in diesem Bereich (etwa Amber-Med, die Betreuungsstelle Hemayat oder der Verein Ute Bock) immer wichtiger wird. Und: Migranten in Not sind häufig auf den Goodwill von Personal in Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen angewiesen, die in vielen Fällen ein Auge zudrücken. (sol)
(Quellen: www.medienservicestelle.at , www.nowhereland.info)
