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Neues aus dem Plastikmeer

Die Situation in Almería ist bekannt: Tausende MigratInnen arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen im Mega-Gemüseanbaugebiet in Südspanien. Doch was hat sich in den letzten Jahren getan? Richard Solder sprach für w/orte mit einem spanischen Gewerkschafter, der die Situation vor Ort kennt.

 

Die Bedingungen für die ArbeiterInnen, die in südspanischen Gewächshäusern tätig sind, konnten in letzter Zeit zumindest etwas verbessert werden. Das berichtet der spanische Gewerkschaftsvertreter Francisco Javier Castaño Centeno, den der ÖGB zu einer Veranstaltung anlässlich des „Welttages für menschenwürdige Arbeit“ nach Wien eingeladen hatte.

Rund 120.000 MigrantInnen sind auf dem über 320km² großen Areal der Gewächshäuser in der andalusischen Provinz Almería im Einsatz. Und das oft unter problematischsten Voraussetzungen fern jeder sozialen Sicherheit. Viele gefährden ihre Gesundheit, da sie bei nicht ausreichenden Schutzmaßnahmen Düngemitteln und Pestiziden ausgesetzt sind.  

Bei den EinwanderInnen handelt es sich zumeist um AfrikanerInnen. Allerdings kamen über die Jahre auch Rumänen und EcuadorianerInnen in beträchtlicher Zahl in die zentrale Gemüse-Exportregion Spaniens.

Laut Castaño Centeno liegt der Anteil der Schattenwirtschaft an der Ökonomie der Agrar-Region Almería bei 30 Prozent.

Der Legalisierungsversuch: Wer zwei Jahre in Spanien lebt und seit sechs Monaten dort arbeitet, bekommt offizielle Papiere und macht so den Schritt aus der Illegalität. Diese neue Regelung existiert erst seit April dieses Jahres. Laut Castaño Centeno mit ein Grund, warum bisher erst ganze 25 Arbeiter der Region Almería davon profitiert haben: „Jetzt geht es darum, die Menschen darüber in Kenntnis zu setzen“, sagt der Gewerkschafter der CCOO, neben der UGT einer der zwei großen spanischen ArbeitnehmerInnenverbände.

Andere ExpertInnen sehen das anders: Es ist nicht die erste Initiative dieser Art. Bisherige waren nicht nur von Erfolg gekrönt. Mitunter bringen sie für die ArbeiterInnen zudem Nachteile: Die Legalisierung ist an oft schwer erfüllbare Kriterien gebunden. Damit einhergehende Pflichten (z.B. Steuern) brachten bei ähnlichen Versuchen neue Herausforderungen für die MigrantInnen.

 

Mit einer gezielten Info-Kampagne will die CCOO die EinwanderInnen erreichen und über ihre Situation aufklären. Broschüren z.B. informieren auf Arabisch, Französisch und Englisch. Beratung wird nicht nur zu Arbeitsrechtlichem geboten, sondern auch zu Aspekten wie Ausweisungen oder Familienzusammenführungen.

Neben den Bedingungen in den Glashäusern stellen die Wohnverhältnisse ein großes Problem dar. Die MigrantInnen leben meist in improvisierten, schmutzigen Behausungen ohne Wasser und Strom. „Wir suchen diese Siedlungen gemeinsam mit dem zuständigen Ministerium auf und wollen die Lage verbessern“, so Castaño Centeno.

Immer wieder stoße die Arbeitnehmervertretung dabei auf Grenzen. Die Wohnmöglichkeiten sind oft an die ArbeitgeberInnen gekoppelt. In manchen Fällen würde Druck auf die UnternehmerInnen wegen den Behausungen nur bedeuten, dass die MigrantInnen ihren Job verlieren könnten.

Ein ähnliches Szenario: Manche EinwanderInnen werden schlechter bezahlt als ihre KollegInnen, wohnen dafür besser. Bei Forderungen nach einem höheren Gehalt könnten sie Arbeitsplatz und Dach über dem Kopf verlieren.