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Flüchten - wie war das nochmal?


Von New York City bis nach Heiligenstadt: Der "Westen" muss sich wieder seiner eigenen Asylgeschichte bewusst werden. Ein Kommentar.

 

Apropos Neuanfang, amerikanischer Traum und Ellis Island: Bis heute gelten die Vereinigten Staaten als ein Parade-Einwanderungsland. Aber die Tea-Party-Erfolge oder das ultra-restriktive neue Einwanderungsgesetz von Alabama inklusive rassistischen Kontrollen zeigen, die Zeiten haben sich auch auf der anderen Seite des großen Teichs geändert.

Und bei uns? Wie steht es da mit der Einstellung zu Migranten aus? Wenn es um das Thema Asyl geht, liefern Zahlen aus 2011 ein erschreckendes Bild: Laut einer UNHCR-Studie sehen 59 Prozent der österreichischen Befragten Asylwerbende als gewaltbereiter und krimineller als andere Gruppen. 60 Prozent glauben, dass die rot-weiß-rote Republik zu viele Asylwerber aufnimmt. 2010 wurden rund 11.000 Anträge gestellt. Positive Erledigungen laufender Verfahren gab es im im selben Jahr 2977. Und: Anders als laut Erhebung viele (nämlich 33 Prozent!) meinen, dürfen Asylwerber nicht regulär arbeiten. Die Studie macht so große Missverständnisse und Fehleinschätzungen deutlich.

Sicher. US-Amerikaner mussten noch nie aus ihrem Land fliehen. Die Zeit, als unzählige Europäer das taten, ist so lange nicht her - allerdings angesichts der derzeitigen Asylpanik (wie sie die UNHCR-Umfrage etwa für Österreich outet) nicht mehr präsent. Sind aktuelle Krisenherde zu weit entfernt und deren Ursachen zu komplex? Im Rückblick scheint die Bereitschaft, Asylsuchende aus dem auseinanderbrechenden Jugoslawien in den 90er-Jahren aufzunehmen, größer gewesen zu sein als der Wille, dieser Tage Afghanen oder Tschetschenen Schutz zu bieten: Rund 115.000 Personen flohen während der grausamen Kriege Richtung Österreich. Afghanische Asylanträge bewegten sich in den letzten Jahren im dreistelligen, jene von Personen aus der Russischen Föderation (inkl. Tschetschenen) im vierstelligen Bereich.

Drei Millionen, täglich. So viele Leser erreicht die "Kronen Zeitung". Den 20. Juni, seit 2000 der internationale Weltflüchtlingstag, nahmen andere Medien zum Anlass, über die Situation der Flüchtlinge weltweit zu berichten. Ein Hinweis auf diesen Tag fand sich im Kleinformat aus Wien-Heiligenstadt zumindest in der Nummer vom 20. Juni selbst an keiner Stelle. Nur ein Warnhinweis für Autofahrer auf einen "Protestmarsch" (dahinter verbarg sich der Umbrella March).

Um das Bewusstsein für Menschen in Not zu stärken, braucht es eine angemessene Berichterstattung - auch und erst recht in breitenwirksamen Medien von Wien bis nach New York. Und es braucht Symbole wie Ellis Island und sein Museum. Die Insel wäre mindestens so wichtig wie die Freiheitsstatue. (sol)

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