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Der gute Geist von Auhof

Eine Ordensschwester in Wien-Auhof bietet Zuwanderern Deutschkurse an. Und will die Neuankömmlinge so voranbringen.   Von   Richard Solder

 

Ordensschwester Wilbirg Heumel hat alles im Griff: „Bitte schreiben Sie das an die Tafel!“, fordert die 84-Jährige einen Kursteilnehmer auf. Ein Satz, der gerade in der Konversation geübt wurde, soll schließlich auch schriftlich gekonnt sein. Diszipliniert wie ein Taferlklassler ist der Iraner mittleren Alters in Nullkommanichts an der Tafel und kämpft sich durch die Eigenheiten der geschriebenen deutschen Sprache.

Die pensionierte Lehrerin Schwester Wilbirg gibt im Heim der Salvatorianerinnen in Wien-Auhof Migranten Deutschunterricht. Die Zuwanderer werden über Salvatorianerinnen vermittelt. Gearbeitet wird in Kleingruppen: Beim Lokalaugenschein paukt neben dem Iraner seine Partnerin, eine Kursteilnehmerin aus Afghanistan schaffte es an diesem Tag nicht in den Unterricht.

Die drei Asylsuchenden haben einen vierwöchigen Intensivkurs hinter sich. Intensiv in jeglicher Hinsicht – den zwei Anwesenden raucht sprichwörtlich der Kopf.

Wer allerdings denkt, in den Einheiten von Schwester Wilbirg geht es steif und streng zu, der irrt gewaltig: Nicht nur die Atmosphäre des Ordensheimes strahlt Wärme aus. Auch sie wirkt wie ein erster Anhaltspunkt für diese in Österreich gestrandeten Menschen. Und sie weiß, was viele hinter sich haben, schließlich gab sie schon bei der Caritas Deutsch-Kurse für Asylsuchende. Und sie verbrachte einige Zeit bei Salvatoriannerinnen-Gemeinschaften in Polen, Albanien und Italien. Wilbirg Heumel spricht zudem mehrere Fremdsprachen und konnte daher bereits andere Schwestern in Englisch und Italienisch unterweisen.

Bildung hat für den Orden eine hohe Priorität und wird als lebenslanger Prozess gesehen. Deswegen engagieren sich die Schwestern traditionell in diesem Feld, neben anderen Bereichen wie der Pflege und der Gesundheit.

„Das Unterrichten ist einfach eine sinnvolle Sache“, erklärt Wilbirg Heumel nüchtern. Und schreitet sogleich wieder zur Tat. Der gebürtigen Linzerin geht es um das Wesentliche – die Zuwanderer voranzubringen.

Bei den Iranern hat sie das wohl geschafft: Die Zwei sprechen für vier Wochen Unterricht beachtlich gut, verfügen über einen gewissen Wortschatz und eine erstaunlich schöne Aussprache.

„Ich bin richtig stolz auf die beiden“, sagt die Ordensschwester. Dabei strahlt sie über das ganze Gesicht. Auch die Kursteilnehmer selbst sind zufrieden: „Sie ist eine gute Lehrerin: nett, lustig, und mit einer freundlichen Ausstrahlung“, beschreibt die dunkelhaarige Migrantin, die in der Heimat selbst von Beruf Lehrerin war.

Über die Bedeutung, in Österreich die Sprache zu können, ist sich die Asylsuchende im Klaren: „Es ist sehr wichtig!“ Die erfahrene Deutsch-Vermittlerin Wilbirg Heumel weiß, was dabei besonders hilft: „Viel sprechen, und alltägliche Situationen üben.“ Dadurch können sich die Neuankömmlinge in der noch ungewohnten Umgebung orientieren. „Diese Leute bekommen sonst keine Aufenthaltsgenehmigung und keine Arbeit“, ergänzt sie.

Bei allem Pragmatismus vergisst die Ordensschwester dabei nie, für etwas Abwechslung zu sorgen. Dafür nimmt sie etwa ihre Blockflöte zur Hand und stimmt mit ihren Schülern ein Lied an: „Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag!“, erklingt es dann im Besprechungszimmer des Heimes.

Nach dem Unterricht bei Schwester Wilbirg Heumel geht es für die drei Asylsuchenden zu weiterführenden Kursen in anderen Institutionen. Sie werden viel von hier mitnehmen. Nicht nur Deutsch-Vokabeln. 

Mit freundlicher Genehmigung des Vinzenz Magazins, in dem Artikel und Fotos erstveröffentlicht wurde (Text für w/orte leicht redaktionell bearbeitet und gekürzt).

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